China ist gerade dabei, seinen eigenen Weltmachtstatus zu zementieren. Dabei gehen die Chinesen auf ihre ganz eigene Weise vor, die nicht jedem gefällt. Aber kann sich daraus ein kriegerischer Konflikt entwickeln?
China als Zentrum der Welt
1500 Jahre lang, von der Shang- Dynastie bis zum ersten Kaiser begriffen sich die Chinesen als die einzige Zivilisation umgeben von Barbarenvölkern. Der Kaiser von China war der tianzi, der Sohn des Himmels, der über alles unter dem Himmel herrschte. China war das Zentrum der asiatischen Welt und die anderen es umgebenden Staaten mussten China Zahlungen leisten. Für die Zahlungen erhielten die untergebenen Völker allerdings zumeist Gegengeschenke von größerem Wert. Die Herrscher der anderen Völker mussten dies Zahlungen aber nicht unbedingt als Tributzahlungen verstehen, mit dem die Herrschaft Chinas anerkannt wurde. Vielmehr waren diese Zahlungen die Eintrittskarte, um in China Handel zu betreiben und von der dortigen Nachfrage zu profitieren. Dementsprechend wurden die Tributzahlungen eher als Rangerhöhung nicht als Erniedrigung empfunden. Die Chinesen etablierten so früh ein modernes Handelssystem, das nicht auf Unterjochung und Gewalt setzte, wie wenig später die europäischen Kolonialmächte.

China mit der Neuen Seidenstraße auf dem Weg zu alter Macht?
Fast scheint es, als ob China zurück zu alter Macht möchte und dies auch mit ähnlichen Methoden versucht, wie zur einstigen Blütezeit. Die „One Belt, One Road“ Initiative und das Verhalten Chinas im südchinesischen Meer geben die Richtung vor. Vordergründing ist das One Belt, One Road Projekt, oder auch Seidenstraßen – Initiative, wie das Projekt an die alten Seidenstraße (dazu auch meine Rezension zu Peter Frankopans Buch „The Silk Road“), die einst China mit dem europäischen Markt verband, genannt wird, auch vor allem ein geoökonomisches Projekt. China versucht mit einem massiven Einsatz von Kapital, etwa 900 Milliarden Dollar, und mit der Vergabe von großzügigen Krediten die Routen für den eigenen Handel zu verbessern und vor allem Aufträge für die eigene Wirtschaft, die im eigenen Land an Grenzen stößt, in großem Stil an Land zu ziehen. Dabei geht es etwa um den Export chinesischer Hightechzüge mit entsprechender Schienenbreite in andere Länder, um diese auch langfristig an chinesische Produkte zu binden. Damit geht aber auch der Versuch einher, die umliegenden Staaten in eine größere geopolitische Abhängigkeit zu bringen- etwa mit den großzügig gewährten Krediten. Chinas Projekt der neuen Seidenstraße wird von verschiedene Seiten positiv wie negativ bewertet. Die angestoßenen Investitionen in den Nachbarländern können für diese von großem Vorteil sein und den Wohlstand fördern. Diese Investionen scheinen fast wie ein Marshall Plan für den asiatischen Raum. Kritiker, wie der indische Premier Minister Narendra Modri, sehen das Projekt der Seidenstraße als Imperialismus und lehnt zum Beispiel den geplanten Chinesisch Pakistanischen Ökonomischen Korridor, der durch das von Indien beanspruchte Kaschmir geht, ab.
Der Kampf Chinas um das südchinesische Meer und die geopolitische Vormacht in Asien
An anderer Stelle weitet China seinen Einfluss primär mit militärischer Macht aus: im südchinesischen Meer. China hat dort im Kampf um die Spratley Islands bereits neue Inseln aufschütten lassen und diese mit militärischen Einrichtungen versehen, um den Anspruch auf diese Inseln zu festigen. Erst jüngst führte die chinesische Marine in Anwesenheit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping ein großes Flottenmanöver in südchinesischen Meer durch, um seine Macht zu demonstrieren. Im Westen wächst die Sorge über das Konfliktpotential, das der Machtkampf um die Ressourcen im südchinesischen Meer- denn um diese geht es letztlich- birgt. Die USA haben daher den Schwerpunkt Ihrer Marine Aktivitäten längst in den Pazifik gelegt. Durch sogenannte „Freedom of navigation exercises“- also Durchfahrten mit amerikanischen Kriegsschiffen will die USA China klar machen, dass man keine Einschränkung der Durchfahrten durch diese internationalen Gewässer akzeptieren wird. Fakt ist jedoch, dass sich das die militärische Übermacht der Amerikaner in Zukunft zugunsten Chinas ändern wird. Denn während die USA den Ausbau Ihrer Flotte reduziert haben, rüsten die Chinesen fleißig auf.
Tatsächlich scheint der Konflikt aber weiter davon entfernt, zu eskalieren, als das Säbelrasseln verschiedener Seiten glauben macht. China hat sich zum Beispiel erst am 12. April mit einem derNachbarstaaten in südchinesischen Meer, den Philippinen, auf die Einhaltung von roten Linien geeinigt, was die jeweiligen Souveränitätsansprüche anbelangt und haben sich sogar auf gemeinsame Gasförderungen im südchinesischen Meer geeinigt. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Lage im südchinesischen Meer weiter entwickelt.
China als die neue Weltmacht
Es lässt sich nicht absehen, wie sich die Lage im südchinesischen Meer entwickelt. Aber China hat sich längst zu einer neuen Weltmacht entwickelt, die künftig auf gleicher Ebene wie die USA stehen werden.
Seitz, Konrad: China. Eine Weltmacht kehrt zurück, München 2006, S. 63ff.
Kaplan, Robert.D: Asias Cauldron. The South China Sea and the end of a stable pacific, New York, 2014.
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