Der „Holodmor“ ist ein Wort, dass ich ehrlicherweise erst in Applebaums Buch „Roter Hunger“ kennengelernt habe. „Holodmor“ so nannten die Ukrainer die schwere Hungersnot, die die Herrschaft der Sowjetunion über die Ukraine brachte.

Anne Applebaum bringt in einer Zeit, in dem das Verhältnis zwischen Ukraine und Russland umso mehr gespannt ist, ein Buch über ein besonders schweres Kapitel des ukrainischen Geschichte heraus, das bis in die Gegenwart das Verhältnis zum Nachbarn schwer belastet.

Während sie im Hauptteil des Buches die Entwicklung des „Holodmor“ behandelt, kümmert sich sich in einem Extrakapitel auch um die Rezeption der Hungersnot in der Gegenwart.

Sie schafft es, trotz der unglaublichen Leiden, die die verfehlte ideologiegesteuerte Ernährungspolitik der Sowjetführung über die Menschen in der Ukraine gebracht haben, in bester Historikermanier sehr ausgewogen über die Ereignisse zu schreiben.

Auch die umstrittene Frage, ob der „Holodmor“ ein Völkermord war, wird von Applebaum behandelt. Sie findet für ihre Position gute Argumente. Dennoch bleibt der „Holodmor“ sicher eines der größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit, die allein in der Ukraine 3,9 Millionen Menschen das Leben kostete.

5 Antworten

  1. Avatar von Andreas Moser

    In der Ukraine wird man natürlich überall auf dieses Thema gestoßen und angesprochen, es ist regelrecht identitätsstiftend für die postsowjetische Ukraine: https://andreas-moser.blog/2019/12/26/kiew-tag-11-21-holodomor/

    Aber zum ersten Mal sah ich interessanterweise in Calgary ein Holodomor-Denkmal. Und schon weiß man, dass es dort eine große ukrainische Gemeinde gibt.

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    1. Avatar von Andreas Moser

      Etwas traurig fand ich in der Ukraine, dass das Gedenken an den Holodomor das Gedenken an den Holocaust in den Schatten stellt. Es kam oft vor, dass ich etwas über den Holocaust sagte oder fragte, und die Antwort kam: „Ja, ja, aber der Holodomor, das war ein wirklich schlimmer Völkermord!“ Diese Motivation, auch international als Opfer anerkannt zu werden, führt im Ergebnis manchmal zum Ignorieren der Shoah.

      In Babi Jar kann man diese Vernachlässigung sehen:

      Gedenken mit Döner: Babi Jar

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      1. Avatar von derandersdenker

        Ja, das ist ein Streit zweier Einnerungskulturen, die die ukrainische Nation prägen. Den Artikel unten fand ich dazu recht gut.

        http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/13460

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