Wir leben in turbulenten nicht nur weltpolitischen Zeiten. Aber in der Weltpolitik ist schon seit Jahren einiges aus den Fugen geraten. Die Vorstellung einer Welt, die vom „Westen“ dominiert wird, ist krachend gescheitert, Autokraten übernehmen mehr und mehr das Ruder und das Schlimmste: Es wird nicht besser. Eine nüchterne Betrachtung der heutigen Situation der Weltpolitik von Carlo Masala.

Das Scheitern des Westens

Hatte man noch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem „Ende der Geschichte“ und dem Siegeszug des Modells der westlichen Demokratien gerechnet, zieht Carlo Masala mit Recht ein ernüchterndes Fazit dieser prognostizierten Entwicklung: Sie ist gescheitert. Denn die Politik der großen westlichen Mächte durch „Regime Change“ auf der einen Seite und „Entwicklungshilfe“ auf der anderen Seite haben nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Im Gegenteil: Die Invasionen im Irak, die Interventionen in Lybien und anderswo hinterließen verbrannte Erde, failed States und trieben die Menschen in die Händer von Terroristen. Auch der Versuch andere Länder zum Beispiel afrikanische Staaten durch an Bedingungen geknüpfte Zahlungen westlicher zu machen, war nicht erfolgreich.

Große Bündnisse verlieren an weltpolitischer Bedeutung

Weltpolitik funktionierte vor einigen Jahren noch über Bündnisse von Staaten. Konflikte sollten über die Vereinten Nationen gelöst, die gemeinsame Außenpolitik der europäischen Staaten mittels der Europäischen Union betrieben werden- so zumindest die Wunschvorstellung. Tatsächlich funktioniert dies aber immer schlechter. Entscheidungen der UN werden durch die ständigen Mitglieder geblockt. Zunehmender Nationalismus in den östlichen Staaten und Populismus erschwert auch hier die Entscheidungsfindung. Der Münchner Politikwissenschaftler Masala macht wenig Hoffung auf Besserung. Vielmehr empfiehlt er die Lösung von Konflikten durch adhoc Bündnisse, also Bündnisse mit Staaten die an Lösungen interessiert sind und sich auf eine gemeinsame Strategie einigen können.

Das Ende der amerikanischen Hegemonie?

Das Ende der amerikanischen Vorherrschaft hatte sich schon lange abgezeichnet. Während militärische Interventionen im Ausland hohe Kosten an Mensch und Material verursachte, wurden sie in der Heimat immer unbeliebter. Trotzdem sieht Masala die amerikanische Hegemonie nur teilweise am Ende. Denn er glaubt trotzdem, dass die USA auch in der Zukunft mililtärisch mit Abstand die mächtigste Nation stehen wird. Das heißt aber keinesfalls, das der Einfluss der vereinigsten Staaten nicht sinkend wird. Denn das Militärische, so konstatiert der Autor, hat heutzutage viel weniger Einfluss auf das Weltgeschehen und Konflikte wie noch vor einigen Jahren. Auch kleine Nationen durch die Unterstützung von terroristischen Gruppen, Cyberangriffe und andere Mittel in Konflikte eingreifen, sie verlängern und zu ihren Gunsten beeinflussen.

Weltpolitik wird nicht einfacher, sondern wir werden uns damit abfinden müssen, dass es eher schwieriger als einfacher wird, Konflikte zu lösen, so könnte man das Buch Masalas ernüchternd zusammenfassen.

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