Russland hat derzeit über 100.000 Soldaten und riesige Mengen an militärischen Fahrzeugen an der Grenze zur Ukraine und in Belarus stationiert. Zudem hat Russland ein Forderungspapier an Russland und die NATO gerichtet, in dem es umfangreiche Sicherheitsgarantien und ein Rückzug der Nato auf den Stand von 1997 fordert.

Was plant Putin?

Präsident Putin will damit offenbar zwei Dinge erreichen: die schnelle Umsetzung der Minsker Verträge (Autonomie für die von russischen Separatisten besetzten Provinzen) und eine Anerkennung einer russischen Einflusssphäre in Osteuropa- der Startschuss für ein neues russisches Imperium.

Die politische Welt und die Sicherheitsexperten sind – zu Recht- in Aufregung. Kommt es zu einem neuen Staatenkrieg auf dem europäischen Kontinent? Viel ist in den letzten Tagen geschrieben worden über diesen Konflikt, der seit 2014 aktiv ist und wie für unsere westliche Nachrichtenwelt üblich, lange Zeit aus dem öffentlichen Interesse verschwunden war. Viel ist gerätselt worden über die Ziele Putins? Will er nur die Ostukraine erobern? Oder die ganze Ukraine? Oder gar einen Angriff auf ganzen Osten Europas und seine östlichen Nachbarn starten?

Kein Blumenkrieg

Simone Brunner hat in ihrem Artikel in der Zeit heute zurecht darauf aufmerksam gemacht, dass Putin, sollte er einen Angriff auf die Ukraine wagen wollen, sich gehörig verrechnet. Denn auch wenn Putin die Ukraine und Russland als ein Volk betrachtet, so sieht die Realität in der Ukraine ganz anders aus. Russland hat durch den selbst verursachten Krieg in der Ukraine massiv an Sympathien verloren. Die Symphatiewerte sind so niedrig wie noch nie. Die große Mehrheit der Ukrainer möchten kein Teil Russlands werden, sondern im Gegenteil eine eigene stabile Demokratie nach westlichem Vorbilld sein. Bei einem Angriff drohen der russichen Armee nicht nur erhebliche Verluste, sondern auch ein sehr langer Partisanen- und Untergrundkampf- nichts was in der Geschichte je zu einem erfolgreichen Ende für den Aggressor geführt hätte.

Angesichts dieser möglichen Gegenwehr muss man auch ein anderes Szenario bedenken, das Präsident Putin gar nicht gefallen könnte. Putin hat sich in Russland als fast zarenhafter Herrscher eingerichtet. Es gibt eigentlich keinen, der ihn kontrolliert. Alle Berichterstatter gehen davon aus- vielleicht auch zu Recht- das ein Krieg so ablaufen könnte, wie üblich in Russland. Ein irgendwiegearteter Kriegsgrund wird fabriziert und die militärische Operation beginnt. Die Soldaten folgen dem Befehl des Herrschers wie schon so oft in der Geschichte wie bei Julius Cäsar, Napoleon oder Adolf Hitler. Aber was ist, wenn es anders kommt?

Deutschland im Jahre 1938. Hitler droht mit der Besetzung der Tschecheslowakei (Sudetenkrise). Die Welt ist ähnlich wie heute in Aufregung. Gibt es einen neuen Krieg? Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits in den höchsten Kreisen der Wehrmacht und der Abwehr den Plan Hitler im Falle einer militärischen Besetzung des Sudetenlands gefangen zu nehmen, eventuell gar zu erschießen (Septemberverschwörung). Deutschland. Dieser Plan wurde damals durch die Münchner Konferenz durchkreuzt. Die Militärs sahen durch den Sieg Hitlers am Verhandlungstisch nicht genug Rückhalt für Ihre Pläne in der Bevölkerung.

Wäre so ein Szenario nicht auch in Russland denkbar? Schließlich ginge es hier um einen Kampf zweier in der Tat ethnisch sehr naher Völker. Viele Ukrainer sprechen Russisch. Das wäre wie als wie wenn wir Deutschen uns Österreich einverleiben wollten. Dies verbunden mit der Aussicht auf einen langen schwer zu gewinnenden Krieg sollte doch den ein oder anderen Militär zum zweifeln bringen, ob diese Operation so eine gute Idee ist. Abgesehen davon, dass der Prestige dafür sehr gering sein wird. Putin als ein weiterer größenwahnsinniger Autokrat in einer Linie mit Cäsar, Napoleon und Hitler in den Geschichtsbüchern und man selbst als das willige Werkzeug?

Wäre ich russischer Soldat würde ich mir das auf jeden Fall gut überlegen. Es gab zuviele Kriege, die nur um das Prestige von alten Männern geführt wurden. Es ist Zeit, damit aufzuhören.

Eine Antwort

  1. Avatar von derandersdenker

    Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels war mir noch nicht klar, dass Putin Männer aus den ärmsten Regionen Russlands als Kanonenfutter in diesen Krieg schicken würde, um sie dort zu verheizen.

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