Der Autor Yaroslav Hrytsak geht in seiner Geschichte der Ukraine nach, was sein Heimatland zu diesem starken und widerstandsfähigen Land wurde und führt den Leser in seinem – auch für den wissenschaftlichen Laien- sehr gut lesbaren Buch durch die wechselvolle Gesichte der Ukraine bis in den Krieg von heute.
Für die Russen ist heißt die Ukraine „Grenzland“ und gehört historisch betrachtet – aus russischer Sicht- zu Russland. Hrytsak macht an verschiedenen Beispielen klar, wie diese Sicht von außen kommt und nicht die Sicht der Menschen widerspiegelt, die auf dem Gebiet der Ukraine leben. So sei auch der Begriff in der Ukraine synonym mit Land zu setzten. Ähnliche Bezeichnungen gibt es auch bei den Bezeichnungen anderer Gebiete. So bedeutet das altdeutsche diutisc von dem sich unser heutiges Wort deutsch ableitet, etwa „zum Volk gehörig“ und Deutschland folglich das Land des „Volkes“.

Hrytsak nimmt uns mit auf die geschichtliche Entwicklung des Gebiets der Ukraine, das trotz wechselnder Zugehörigkeit immer deutlich mehr der europäischen Kultur zugehörig war, als der russischen. Denn lange war es auch Teil der Rzeczpospolita von Polen- Litauen und daher auch sehr stark dadurch kulturell beeinflusst.
Er macht klar, das die beiden Nationen, die russische und ukrainische sich anders entwickelten. Während in der Ukrainer Buchdruck und damit Bildung und Wissenschaft früh sehr verbreitet waren, war dies in Russland erst viel später der Fall. Die „immagined community“, die vorgestellte Gemeinschaft (Benedict Anderson) , die dazu nötig ist, damit Menschen sich zu einer Nation gehörig fühlen, sei in der Ukraine spätestens mit der Unabhängigkeite 1991 entstanden.
Das Buch wurde im Original schon im Jahr 2022 (vor der russischen Invasion) veröffentlicht und ist in der Ukraine zu einem großen Erfolg geworden. Der Autor dieser Rezension ist kein Osteuropaexperte und kann nicht alle Thesen von Hrytsak überprüfen. Geschichte ist viel komplizierter als die meisten Menschen glauben und die Reduktion von Komplexizität und das Aufstellen von Thesen führt zuweilen zu Unschärfen und Ungenauigkeiten und nicht alle Ansichten können manchmal z.B. durch Sprachbarrieren in ein Buch mit aufgenommen werden. Ich fand das Buch sehr lesenwert, möchte aber auch auf zahlriche kritische Punkte hinweisen, die zum Beispiel in dieser Rezension geäußert werden.
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