In den letzten Wochen haben mehrere spektakuläre Vorfälle — etwa wiederholte Drohnensichtungen an und über Flughäfen sowie über sensiblen Anlagen — die Öffentlichkeit und die Politik alarmiert. So kam es jüngst zu Betriebseinstellungen am Münchner Flughafen und zu massiver Medienberichterstattung über unidentifizierte Drohnenflüge, die den Flugbetrieb stören.
Analysen in europäischen Medien warnten, dass solche Einsätze nicht nur unmittelbar gefährlich sind, sondern auch Teil einer Strategie sein könnten, Unsicherheit zu säen — manche Experten verwenden dabei den Begriff der «nützlichen Idioten», also Dritter, die im Interesse fremder Mächte handeln oder solche Aktionen aus Aufmerksamkeitssucht/Ideologie durchführen könnten. Die Drohensichtungen zeigen, wie brandaktuell das im Folgenden zu rezensierende Buch ist.
Rezension — Der stille Krieg (Bingener & Wehner)
Der stille Krieg ist ein kompakt geschriebenes, faktengesättigtes Stück Investigativ-Journalismus: Die FAZ Journalisten Reinhard Bingener und Markus Wehner, die zusammen schon den Bestseller „Die Moskau Connection“ vorgelegt haben, haben mit „Der stille Krieg“ ein neues, gut recherchiertes Buch veröffentlicht.
Alarmierend
Das Buch ist pointiert geschrieben und bietet zugleich aber auch das nötige Hintergrundwissen, sodass jeder Bundesbürger dieses Buch lesen und verstehen kann. Dem in der Sache kundigen, kommen viele beschriebenen Ereignisse bekannt vor, aber die detaillierte Rechereche kann durchaus mit neuen Details aufwarten.
Haben deutsche Behörden zu lange die Augen verschlossen?
Bingener/Wehner argumentieren deutlich, dass Politik, Behörden und breite Teile der Öffentlichkeit lange zu blauäugig waren — eine Feststellung, die das Buch durch zahlreiche Fälle untermauert. Die jüngsten Drohnen-Vorfälle und die laufende Debatte um Zuständigkeiten sowie Forderungen nach stärkerer Abwehr zeigen, dass die Politik jetzt unter Handlungsdruck steht.
Die Autoren zeigen klar, wie Autokraten in Russland, China und auch der Türkei mit hybriden Mitteln unsere Gesellschaft beeinflussen, sie spalten und verunsichern. Sie nutzen dabei unterschiedliche Methoden. Aber oft sind es einzelne Menschen, die als Mittel zum Zweck eingesetzt werden und deren Drang, zu schnellem Geld zu kommen, offenbar für diese über dem Wohl der Gesellschaft steht.
Bingener und Wehner führen dem Leser klar vor Augen, wie naiv die vergangenen Bundesregierungen die hybriden Kriegstaktiken haben gewähren lassen, in der Hoffnung auf gute Beziehungen zu den Autokratien. Das waren schwere Fehler, die sich jetzt nur sehr schwierig wieder rückgängig machen lassen.
Ich teile die Autor:innen in der Einschätzung: Deutschland darf den hybriden Angriffen nicht länger mit Beschwichtigung begegnen. Das bedeutet nicht, reflexhaft jede kritische Stimme zu kriminalisieren — wohl aber, dass Sicherheitsbehörden, Infrastrukturbetreiber und die Politik ihre Schutz- und Reaktionsmechanismen dringend auf ein modernes, verantwortungs- und rechtsstaatliches Niveau bringen müssen (klar geregelte Zuständigkeiten, bessere Drohnenabwehr, stärkere Cyber-Resilienz, transparente Sanktionen gegen Instrumentalisierung). Die aktuelle öffentliche Debatte über Drohnenabwehr und die Grenzen des Einsatzes der Bundeswehr im Inland macht deutlich, wie komplex, aber auch wie dringend manche Reformen sind.
Fazit
Der stille Krieg ist ein hochaktuelles, gut recherchiertes und unbequemes Buch — ein notwendiger Weckruf. Es vereint journalistische Schärfe mit einer klaren politischen Einordnung und liefert Leser:innen sowohl Einzelfälle als auch das größere strategische Bild. Wer verstehen will, wie hybride Bedrohungen funktionieren und welche Konsequenzen sich daraus für Demokratie und Sicherheit ergeben, findet hier eine fundierte und lesenswerte Analyse. Ich hoffe, dass diesem wichtigen Buch viele Leserinnen und Leser vergönnt sind.
Literaturhinweis / Link
Das Buch ist beim Verlag C.H.Beck erschienen; hier finden Sie die Verlagsseite mit Angaben zum Buch: https://www.chbeck.de/bingener-wehner-stille-krieg/product/38844411. C.H.BECK
Vielen Dank für die Möglichkeit, dieses Buch rezensieren zu dürfen.
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